Dienstag, 19. Juni 2007

Bewerbungsgespräch

Heute hatte ich mal ein anderes Bewerbungsgespräch ... nämlich als Bewerber. In der Kanzlei habe ich natürlich gesagt, dass ich einen Arzttermin habe. Nur ein Routinetermin, kein Grund mir besorgte Blicke zu zuwerfen.

Ich habe mich bei einer großen Bundesbehörde vorgestellt. Auch um herauszufinden, ob das was für mich wär. Mehr Zeit wäre vielleicht gar nicht schlecht, um die eigene Persönlichkeit weiter zu entwickeln. Die hätte es auch nötig. Aber worauf würde sich dann mein Ehrgeiz richten? Doch wieder nur auf die Karriere? Und wenn ja, würde das in so einem Laden nicht nur zu Frustration führen? Die Atmosphäre da war jedenfalls wie Sirup an einem Sonntagnachmittag. Ich habe mich gefühlt, als hätte man mich von 230 Volt auf 110 Volt runtergeschaltet.

Das Gespräch wurde aber dennoch beidseitig engagiert geführt und ich könnte nicht behaupten, dass mir da dumme Menschen gegenüber gesessen haben. Aber doch ein ganz anderer Menschenschlag. Die moderne Version der Kleingärtner, Ärmelschonerträger, Modelleisenbahnbauer. Allein diese senffarben-karierten Jackets sind genug, um mich abzuschrecken. Warum tragen Menschen sowas? Die Tätigkeit wäre wohl weniger anspruchsvoll, die Bezahlung ärmlich, aber die Freizeit reichlich.

Kommentare:

Lutz hat gesagt…

Wurde sich bei der BaFin beworben?

οἴδα οὐκ εἰδώς, oída ouk eidòs hat gesagt…

Na hoffentlich kommen die Linkl. LLP-Kollegen nicht hinter Ihren kleinen Stunt.

pic.eibo hat gesagt…

Dann gibts ja bald anstatt der "Großbude" "amtliches Bundesbudenchaos"...

Klasse Titel... (*sichselbstlob*)

Hoffentlich bleibste da wo du bist. Is witziger

Hängender Müller hat gesagt…

Die Frage nach dem vernachlässigten Liebesleben hat ihn nachdenklich gemacht. Er will mehr Freizeit.

Anonym hat gesagt…

ich meine ehr BMVg

fashushi hat gesagt…

Mit seinem Humor kommt gbn nie ins Amt. Es sei denn als Telefonistin (entspannter Job): "Bundeskanzlerin - pah! Kann ja jeder sagen! Eben hatten wir einen, der behauptete er sei der jüngere Kaczynski... - und ich bin die jüngere Marilyn! Jedenfalls, is eh Mittag. Mahlzeit! *klick*"

Bernie hat gesagt…

Ach ja, Verwaltung: Elektronische Stechuhr, Personalrat, Denken in Formularen, Registraturen und Vermerken, keine Sekretärin, und wenn du Pech hast, ist die Arbeit sehr langweilig und eintönig. Wenn du Glück hast, ist es großartig, wie bei meiner Wahlstation in einer Bundesbehörde. Dort wurde ein Riesenprojekt entwickelt und es gab viel zu tun, Raum für Kreativität und manchmal Arbeit bis nachts um zwei. Frust hatte ich allerdings, wenn die politischen Vorgaben wieder einmal mehr zählten als sachgerechte Lösungen. Es wurde einige Arbeit umsonst gemacht. Kaninchenzüchter gab es auch, aber ich wage die Prognose, dass die Vielfalt an Persönlichkeiten in der Verwaltung größer ist als in den meisten Großbuden.

(Die elektronische Stechuhr dort stellte übrigens um 20 Uhr ihre Arbeit ein. Die hauptberuflichen Kollegen mussten immer einen Antrag schreiben, wenn es wieder länger gedauert hatte. Das kann man als öffentlich-rechtliche Skurrilität abtun. Man kann darin aber auch eine besondere Wertschätzung für die Beschäftigten und deren
Freizeitbedürfnisse sehen. Die Überstunden wurden natürlich abgefeiert.)

Anonym hat gesagt…

och nee. Geh nicht! Was soll ich denn da immer nach der Mittagspause lesen? Spiegel.de allein ist zu langweilig.

Learned Hand hat gesagt…

Es sind ja nicht nur die merkwürdigen karierten Sackos, diese Leute scheinen ohnehin nur Kombination zu tragen (vermutlich weil das so "praktisch" ist). Und kurzärmelige Hemden...

Kenne das Erlebnis, bei so einer Veranstaltung war ich auch mal. Schwer auszuhalten.

Anonym hat gesagt…

roch es in besagter bundesbehörde auch so ekelhaft nach schlechter kantine, wie bei meinem gespräch in einer dahlemer bundesbehörde?

und dann haben diese ar******** meine fahrtkosten erst nach sechs monaten wartezeit und einer dienstaufsichsichtsbeschwerde überwiesen ...

GBN hat gesagt…

Scheinbar halten die Leser hier eine Behörde für einen schlimmeren Arbeitsplatz als eine Großkanzlei. Jedenfalls hat sich noch niemand dafür ausgesprochen.

Dem griechischen Sinnspruch (2. Kommentar) kann ich sagen, dass er definitiv falsch liegt oder auch nicht.

MfG
GBN

Bernie hat gesagt…

@gbn:

Um meinen ersten Kommentar in diesem Strang klarzustellen: Ich weiß, dass eine Behörde für mich der bessere Arbeitsplatz ist. Ob das für Sie auch gilt, weiß ich nicht. Ich kenne Sie ja (wahrscheinlich) nicht. Ich könnte mir aber vorstellen, dass Sie andere Prioritäten setzen als ich. Beispiel: "Neid" und "Bewunderung" ernten Sie in einer Behörde wahrscheinlich seltener (vgl. Ihren Kommentar bei "Zaster").

Ich kenne einen Großbudiker, der "eigentlich schon" in den öffentlichen Dienst möchte. Was ihn abhält, habe ich beschrieben: Keine Sekretärin, Stechuhrmentalität, politisch bedingte Reibungsverluste, und, ach ja: "Schäbige Büros".

Anonym hat gesagt…

@ gbn

ich halte eine großbude für einen ähnlich widerlichen arbeitsplatz, wie den öffentlichen dienst. wenn auch aus unterschiedlichen gründen.
warum zur abwechslung nicht mal eine kleine nette boutique!?
(die betonung lag auf NETT)