Mittwoch, 4. Juli 2007

Ask-a-GBN: Großbude

Es sind ja recht viele Fragen zusammengekommen - mehr als ich im Vorübergehen beantworten kann. Deshalb habe ich mal versucht sie zu sinnvollen Themenkomplexen zu bündeln. Los geht's mit der Großbude an sich. Damit fängt der ganze Ärger ja schließlich an.

Anonym fragt...

Ab wann (Anzahl der Monate nach Anfang in GB) weiß Verlierer Associate dass er nicht Partner wird? Wie lange braucht der Verlier Associate dazu durchschnittlich und wie lange hält Verlierer Associate es durch bevor er von alleine geht?

Ab wann weiß Gewinner Associate dass er persönlich Partner wird? Wie viele Jahre?

Sicheres Wissen bezüglich dieser Frage gibt es nicht. Davon hängt die Entscheidung von zu vielen Eventualitäten ab, nicht zu letzt auch von der Geschäftsentwicklung. Ich kann mir vorstellen, dass ein Verlierer Associate recht schnell merken kann, wohin die Reise geht ... nämlich nach Nirgendwo. Das würde aber voraussetzen, dass er in der Lage ist, die Zeichen zu deuten. Und wenn er das könnte, wäre er vielleicht auch kein Verlierer ... Sie sehen worauf ich hinaus will. Solche Zeichen sind natürlich das Feedback, der Vergleich mit den Kollegen. Ein 1A-Zeichen ist es, wenn die Firma einen an andere Läden weiterempfiehlt, weglobt. Aber wie gesagt, diese Zeichen muss man deuten können. Aber selbst ein fährtenlesender Associate wird wohl mindestens drei Jahre brauchen, um solche Zeichen zu deuten

Zum Durchhaltevermögen: Das kann sehr ausgeprägt sein, die Bezahlung ist ja trotzdem immer noch konkurrenzfähig.

Haben Sie sich eigentlich schon mal gefragt, ob die Bezeichnung "Principal" für einen Nicht-Partner nicht reiner Hohn ist?


Johannes fragt...

Mich würden mal die Arbeitszeit interessieren, also durchschnittliche Anfangs-/Endzeit.

Immer ein bis zwei Stunden mehr als mein schärfster Konkurrent. Ich bin die stärkere, schönere, schnellere Ratte in diesem Rennen. Netto bedeutet das: ab 70 Stunden/Woche aufwärts. Gerne auch mal viel mehr, vor allem wenn es auf Reisen geht.


Anonym fragt...

Müssen Sie in Ihrer Grossbude auch meist die Zimmertür auflassen, damit erstens der zuständige Partner und auch jeder andere den kleinen Associate im Vorbeigehen kontrollieren kann?

"Müssen" tut man gar nichts. Man macht es einfach. Und selbst wenn man die Tür nicht aufließe, gäbe es da immer noch die an der Tür angeordneten Glasflächen ... also lässt man die Tür halt auf.


Anonym fragt...

Schenken Sie uns ihr Geheimwissen... wie wird man Gewinner-Associate?
Und an welcher Uni soll ich jetzt nun studieren? Bitte Helfen Sie mir!

Besser sein und gut dabei aussehen. Ehrgeiz haben, Biss haben. Sie sehen: Gewinner wird man nicht, Gewinner ist man.
Zur Universitätsfrage: Studieren Sie an der selben Uni, wie der Partner für den Sie später arbeiten. Das ist der ultimative Geheimtipp, nur zwischen uns beiden, ich vertraue darauf, dass Sie ihn für sich behalten.


Cajad fragt...

Wann platzt die Blase "GB-Einstiegsgehälter"?
Werden die nächsten 12 Monate auch so warm?
Sollte man nicht im Leben lieber etwas Produktives tun statt Jura?


Wie kommen Sie darauf, dass es sich um eine Blase handelt? Haben Sie schon einmal Abwärtsbewegungen bei den Associategehältern beobachtet? Ich würde meinen, dass die Gehälter vielleicht nicht weiter so stark steigen, fallen werden sie aber sicher nicht.

"Produktiv" wie produzierend, erzeugend? Werden Sie doch Maurer! Das ist ein feiner Beruf mit u.U. sehr ansehnlichen Ergebnissen. Aber wenn Sie denken, Lehrer, Ärzte und Juristen produzierten nichts, dann sind Sie schief gewickelt. Ich produziere: Mehrwert, Rechtssicherheit. Ich beschleunige die Wirtschaft, ich bin die Waage und das Schwert der Konzerne. Und wie Sie sehen, kann ich auf Knopfdruck sogar Pathos produzieren.


Anonym fragt...

Wieso zahlen Großkanzleien diese erheblichen Gehälter und verheizen dann die Leute. Wäre es nicht günstiger bei weniger Geld mehr Anwälte zu beschäftigen?

Wie erklären sie sich den (Machtgefälle)Wechsel vom hofierten Prädikatsjuristen, um den die Kanzleien werben,und den jeder will, zum dann Angestellten der aus Angst um seine Karriere sich plötzlich total unter Druck setzten lässt als wäre er das letzte ersetzbare Rädchen im System?

Mandanten wollen wenige Ansprechpartner, sie wollen nicht jede Frage von einer anderen Person beantwortet bekommen. Das bedeutet zumindest, dass es wenige Partner gibt. Jeder Partner kann nur so-und-so viele Associates koordinieren. Reimen Sie es sich selbst zusammen, ich verliere die Lust.

Zum Machtgefälle: Der Druck entsteht im Inneren. Derselbe Druckt der einen zum Prädikat getrieben hat, treibt die Rädchen an. Natürlich weiß das Rädchen um seinen Wert, aber es weiß vor allem auch um seine Wertsteigerung nach zwei bis drei Jahren der Rotation. Dann hüpft es in eine andere Maschine ... und wenn nicht, dann weiß doch der Arbeitgeber, dass dies jederzeit passieren kann und wird es hübsch ölen. Gewinner-Associates werden übrigens auch noch nach der Einstellung hofiert. Das Machtgefälle existiert also in Wahrheit gar nicht und wer es sich einreden lässt, gehört ganz sicher nicht zu den Gewinnern.

Das war jetzt ein bisschen lang, die nächsten Antworten werde ich auf ein Dutzend Beiträge verteilen.

Kommentare:

mad hat gesagt…

danke

Anonym hat gesagt…

"Und wie Sie sehen, kann ich auf Knopfdruck sogar Pathos produzieren."

Mit Abstand das beste, was ich heute gelesen habe

Anonym hat gesagt…

Interessante Antworten ohne geldwerte Gegenleistung. Es zeigt sich also: Auch GBNs arbeiten mal ohne Fee?

Anonym hat gesagt…

Danke für die Antwort bzgl. der ersten Frage. Ich denke, dass man es den GB nicht verwehren kann, Counsel, Principal und andere Bezeichnungen zu erfinden. Vielleicht bin ich da zu naiv, aber Gewinner Associate wird Partner, wenn er Gewinn einfährt, oder? Nicht jeder gute Jurist schafft das...

Anonym hat gesagt…

sehr interessant und aufschlussreich.
Danke !

GBN hat gesagt…

Ich fand ja bereits die Fragen sehr aufschlussreich.

MfG
GBN

Anonym hat gesagt…

gewinner-associate wird genau dann partner, wenn er sich ein eigenes geschäft aufgebaut hat und keine sekunde früher. denn ein eigenes geschäft könnte er mitnehmen, wenn er denn gehen würde. erst in diesem moment macht es für die gb sinn, ihm ein ganzes stück des kuchens zu geben und nicht nur krümel.
und wenn gewinner-associate kein eigenes geschäft, keinen eigenen namen hat, dann ist er eben doch kein gewinner-associate, sondern nur ein nützliches geöltes rädchen.